| Kunst für jede Gemütslage
Liz Bayerlein erkundet Stimmungen
Nürnberg. Emotionen sind der Schlüssel zu den Bildern
von Liz Bayerlein. Es sind ihre Gefühle, die sie an die
Leinwand treiben, die Farbwahl und den Farbauftrag bestimmen
und die ihr sagen, wann ein Gemälde beendet ist. Dementsprechend
abwechslungsreich fällt ihre Ausstellung in der Baumüller
Kantine aus.
Neben einem Ruhe und Harmonie ausstrahlenden, flächigen
Gemälde steht bei Liz Bayerlein das expressive Chaos
dank verschmutzter Farben und dem Fehlen jeglicher dem Auge
Halt gebender Strukturen. Dazu gesellen sich Bilder, die trotz
der Abstraktion über einen klaren Blickfang verfügen.
Die Künstlerin arbeitet aus dem Bauch heraus, weshalb
sie sich nicht auf die Verwendung von Acrylfarbe beschränken
lässt: „Meine Gemälde sind allerdings weniger
Collagen, als vielmehr Materialbilder“, erklärt
sie die Herangehensweise an ihre Kunst. „Zuerst trage
ich Erde und Papier auf die Leinwand auf – völlig
willkürlich!“ Erst dann greift sie zu Farben, die
in dicken Schichten über die Materialien gelegt werden
und dem Bild zusätzliche Plastizität verleihen.
Auch hierbei lässt sie sich rein von ihrer Intuition
leiten. Die Farbe, die dem Betrachter schlussendlich entgegenleuchtet,
ist nicht zwangsläufig die letzte aufgetragene Schicht,
sondern entpuppt sich oft als ein „stehengelassener“,
sprich nicht übermalter Farbton. So blitzt aus dem Blau
von „Ein neuer Tag“ immer wieder kräftiges
Gelb hervor. Die ersten Lichtpunkte inmitten einer langsam
schwindenden Nacht? „Ich gebe dem Betrachter bewusst
keine Interpretationsansätze an die Hand. So wie ich
mich beim Malen emotional leiten lasse, soll auch er von seiner
momentanen Gemütsfassung beeinflusst in das Bild hineingezogen
werden.“ Es versteht sich für sie von selbst, dass
diese Sichtweise nicht nur von Person zu Person, sondern auch
von Stimmung zu Stimmung variiert. „Für mich bedeutet
Kunst, dass jeder in ihr eine eigene Geschichte finden kann.“
Ihr Motto lautet dementsprechend „Wer? Wann? Wie?“,
verlangt sie doch neben der Kreativität des Künstlers
ebenso nach der Kreativität des Betrachters. Folgerichtig
gibt sie ihren Bildern nur selten konkrete Titel wie etwa
„Flug zum Mond“ oder „Vogelhochzeit“.
„Diese Namen finde ich für mich persönlich.
Bitte lassen Sie sich davon in Ihrer Sichtweise nicht einschränken!“
Das Projekt „Kunst in der Kantine“ bietet seit
Jahren Künstlern aus der Region Nürnberg die Möglichkeit,
ihre Werke in den Räumen von Baumüller auszustellen.
„Kunst im industriellen Umfeld“ – dieses
Motto scheint bei Initiatoren, Künstlern und Besuchern
der Ausstellung gut anzukommen. 37 Ausstellungen konnten Mitarbeiter
und externe Kunstinteressierte inzwischen schon in der Kantine
besuchen.
Liz Bayerlein stellt ihre Bilder noch bis zum 18. Mai 2009
in der Kantine von Baumüller, Ostendstr. 80-90, aus.
Ein Besuch der Ausstellung ist nach telefonischer Voranmeldung
unter 0911/5432-549 möglich.
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